Ein Gedicht zum Schmunzeln

Hans und Liese

Durch den Wald ging Hans und Liese

ihrem Heimatdörfchen zu - 

an der einen Hand die Liese,

an der andern eine Kuh.

Dämmrung herrschte schon im Walde,

denn der Abend bald begann - 

und es fing die kleine Liese

langsam sich zu fürchten an.

"Hans!", sprach sie, "es wird schon finster,

sieh, der Sonne Licht erlischt,

Hans, du wirst mir doch nichts tu'n?" - 

"Nee", sprach Hans, "ick tu dir nischt."

 

 

In dem Wald ward's immer dunkler

und der Liese wurde schwül,

ihre Angst ward immer größer,

denn sie hatte viel Gefühl. - 

Und sie drückte immer dichter

sich an ihren Hans heran, - 

der ging ruhig, unbeweglich,

Liese fing zu weinen an.

"Hans", sprach sie, "ich weiß gewiss jetzt,

ja, ich fühl's, du tust mir was!"

"Ach", sprach Hans, "sei ohne Sorg',

es ist ja draußen viel zu nass!"

 

 

Nacht war nun herein gebrochen,

Liese war vor Angst halb tot,

"Hans, jetzt wirst du mir was tuen,

ach, was fang' ich an, oh Gott!"

Hans, der wurde ernstlich böse, - 

"Schweig doch endlich einmal still,

denn ich kann dir doch nichts tuen,

wenn ich wirklich so was will! - 

weil ich, wollt' ich dich umfassen,

doch die Kuh nicht halten kann!".

"Ach!", sprach Liese darauf schüchtern,

"Hans, dann binde sie doch an."

 

 

 

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